Diamanttäubchen
  Zucht
 

Ein Wort zuvor

Vermehrung oder Zucht?

Wenn man sich mit dem Gedanken an eine Vermehrung seines Taubenpaares trägt (nur um mal Junge zu haben), sollte man sich erst einmal überlegen, wo die Jungtauben unterkommen sollen. Will man sie behalten, sollte sichergestellt werden, das der Platz ausreicht. Vernünftigerweise lässt man nur so viele Täubchen aufwachsen wie man Platz und Plätze hat, vorallem sollte jedes Täubchen einen Partner haben um von Anfang an Streitigkeiten zwischen Altvögeln und Jungvögeln zu vermeiden. 

 

Bei der Zucht bedarf es mehr als den Willen seine Täubchen zu vermehren. Eine Zucht setzt immer auch ein gewisses Maß an Vererbungs- so wie genetischem Grundwissen voraus. Will man spezielle Merkmale erhalten oder herauszüchten, müssen die Vererbungsregeln eingehalten werden um böse Überraschungen zu vermeiden. Eine gezielte Zucht, setzt Platz, Geduld, Wissen, Gründlichkeit und Enthusiasmus voraus. Ganz abgesehen vom finanziellen Aspekt. 

Inzucht ist zwar ein probates Mittel gewünschte Merkmale hervorzuheben und unerwünschte herauszufiltern, sie soll aber weitestgehend vermieden werden und sich nicht über mehr als drei Generationen ausdehnen. Zwar fußt die Farben-Zucht auf der Inzucht, aber heute haben wir die Möglichkeit sie vielfach zu umgehen, was auch im Interesse der Täubchen liegen dürfte. 

So kommen nur gesunde und vitale Täubchen zur Zucht, die dem selben Standart entsprechen. Man vermeidet also in der Zucht zu groß, wie auch zu klein geratene Täubchen, Täubchen mit Krummschnäbeln oder sonstigen unerwünschten Eigenschaften. Selektion, also die Auswahl der Zuchttiere ist von entscheidender Bedeutung. 

Täuber oder Täubin?
Die allgemeine Aussage das man Täuber und Täubin an der dicke des Augenringes (Okularring) erkennt, ist so nicht mehr ganz richtig, einzig bei Diamnattäubchen in wildfarben ist dieses Merkmal noch eindeutig vorhanden. Bei vielen Farbzüchtungen ist der Augenring heute aber schon deutlich reduziert und macht eine Unterscheidung allein an diesem Merkmal schwierig. 

 

 

 
Täubin wildfarbig & Täuber silber

 

 

 


Täuber und Taube wildfarbig

Täuber wildfarbig


Täubin & Täuber weißbürzel

Täubin & Täuber gescheckt

Die Zucht

 

 

                                                                             Hazel und Baby

Die Zucht gelingt leicht, auch in kleinen Käfigen und Zuchtboxen. Es können mehr als acht Bruten im Jahr stattfinden. Wobei darauf zu achten ist höchstens 3 Bruten zuzulassen. Eine Brutpause von zwei Monaten sollte schon eingeplant werden. 

Kanariennester werden als Brutplatz problemlos angenommen. Wir verwenden 12 cm Kanariennester aus Draht (siehe Rubrik Volieren & Käfige) oder Kaisernester (Kanarienzucht).  

Zum Nestbau nehmen die Täubchen  Heu, Stroh, Kokosfasern, Sisal, Kiefernnadeln, Jutefäden, Tabakstängel und/oder Federn.

Zu Anfang sitzt der Täuber häufig gurrend und mit den Flügeln zitternd (vibrieren) im noch leeren Nest. Sagt der Platz der Täubin zu, löst sie den Täuber ab. Der Täuber trägt nun Nistmaterial zum Nest, sitzt die Täubin im Nest, wird ihr das Material übergeben, das sie dann verbaut.

Bei jungen Täubern ist der Hormonspiegel recht hoch, er fördert Paarbindung und Trieb. Daher tun sich junge Täuber noch schwer mit dem Übergang vom Balz/ Trettrieb (Paarungsbereitschaft) zum Bruttrieb bzw. Brutpflegetrieb. Der erhöhte Hormonspiegel sollte mit dem Nestbau und dem Höhepunkt der Balz langsam absinken. Bleibt der Täuber im Trieb, kann er die Täubin zu stark bedrängen, sie sogar töten. Der gemäßigte Hormonspiegel der den Bruttrieb bzw. Brutpflegetrieb auslöst, sollte sich nach der 1. Eiablage eingependelt haben. Ansonsten ist es äußerst riskant eine Brut unter solchen Umständen durchführen zu lassen. 

Manchmal ist es hilfreich den Täuber für einige Stunden zu separieren und ihn ausschließlich mit Exotenfutter/ Wellensittichfutter zu füttern.

Beim Balztanz umkreist der Täuber die Taube mit Gurren und Kopfnicken bzw. verbeugen, dabei spreizt er die Schwanzfedern. Ist sie bereit stimmt sie in den Gesang mit ein und gurrt ebenfalls. Im weiteren Verlauf stellen sich die Partner nebeneinander und unter leisem Fiepen bettelt die Täubin den Täuber an. Der Täuber würgt und täuscht eine Fütterung vor. Nach heftigem Schnäbeln duckt sich die Täubin auf den Boden, wobei es seine Flügel seitlich nach unten stellt, den Schwanz hebt sie in die Höhe. Nun kommt es zur Begattung (Treten) die nur wenige Sekunden andauert, sich aber mehrfach wiederholt.
 

Das Nest wird nur mit wenig Material bestückt. Die Täubchen bauen liederliche Nester bei denen das Material einfach nur locker am Boden liegt. Hier kam es in der Vergangenheit häufig zu Eibruch. 

Seit einigen Jahren lege ich die Nester mit Kanariennesteinlegern (Rubrik Nisthilfen/ Volieren & Käfige) aus. Das hat den Vorteil, dass Eier nicht durch den Draht gedrückt oder von Ästchen etc. beschädigt werden. Auch lässt sich der Einleger nach dem Kükenschlupf leicht reinigen bzw. wechseln.

Zwei bis drei Tage nach der Verpaarung legt die Täubin das erste Ei.  Das Gelege besteht aus 2 weißschaligen Eiern. Nach dem zweiten Ei brütet das Paar fest. Nun füttert man ausschließlich Exotenfutter/ Wellensittichfutter die Triebigkeit sollte sich auf einem normalen Level bewegen. Der Täuber sollte also nicht versuchen die Täubin vom Nest zu locken oder sie davon fern halten.

Im Normalfall wechseln sich Täuber (9.30 bis 15.30 Uhr) und Täubin über den Tag hinaus beim Brüten ab.  Während die Täubin das Brutgeschäft für die Nacht ganz übernimmt.

Die Methode Gips oder Plastikeier unter zu legen halte ich persönlich nur dann für sinnvoll, wenn z.B. nur ein Ei im Nest liegt und das falsche Ei als praktische Stütze für den Jungvogel dient. Dieser Ei-Dummi sollte 4 Tage nach dem Schlupf des Kükens entnommen werden. Es gibt sonst Platzprobleme die sich in verbogenen Flügeln äußern können.

Wenn einem von Anfang an klar ist, dass man keinen Nachwuchs haben möchte, lässt man die Tauben nicht brüten, hängt also keine Nester in die Voliere und/oder entfernt alle Nistmöglichkeiten. 

Lässt man die Tauben nur auf Eiatrappen brüten, aber keine Jungen aufziehen, kann es zu einem artuntypischen Verhaltensmuster kommen. Der Täuber jagt seine Täubin, rupft ihr Federn aus oder verletzt sie schwer.

Die 2 – 4 gr. leichten Jungen schlüpfen nach 12 – 14 Tagen Bebrütung. Sie sind zunächst blind und mit einem leichten gelblichen Flaum an Kopf und Rücken bedeckt, ansonsten nackt, ihre Haut ist dunkelgrau oder schwarz (wildfarben) bis hell (versch. Zuchtformen). Die kleinen Täubchen werden mit der so genannten Kropfmilch ernährt. Die Kropfmilch besteht zum größten Teil aus einem Eiweißkonzentrat aus abgestorbenen Zellen des Kropfepithels. Sie besteht zu 64 bis 82 % aus Wasser, der Aschegehalt beträgt circa 1,6 %, 10 bis 13 % sind Proteine und 7 bis 13 % Fette mit hohen Anteilen von Lecithin, Vitamin B und Vitamin A; Kohlenhydrate fehlen gänzlich. Erst der Schupf der Küken löst die Ausschüttung des Hormons Prolaktin und damit verbunden die Bildung der Kropfmilch aus. 

Beide Elterntiere kümmern sich intensiv um die Jungen. Erstaunlich schnell ca. 10 bis 12 Tage, in der Regel am 11. Tag, nach dem Schlupf verlassen sie bereits das Nest. Sie werden allerdings noch zwei Wochen von den Eltern,  vorwiegend vom Täuber, weiter gefüttert. Die Jungen sind zunächst weißlich bis bräunlich befiedert ohne die charakteristische Diamantzeichnung, auch der Augenring ist noch dünn und farblos (blassrosa). Mit etwa einem Monat beginnt die Jugendmauser. Erst nach der Jugendmauser und der damit verbundenen Geschlechtsreife mit etwa 3 - 4 Monaten lässt sich durch die Größe und Färbung des Augenrings und dem Verhalten der Jungtauben das Geschlecht  sicher bestimmen. Die geschlechtsreifen Jungtauben werden in großzügigen Volieren nicht vertrieben und schließen sich dem Familienverband an. 
 

Junge Täuber werden manchmal vom Vater gejagt oder versuchen sich mit der Mutter zu verpaaren.

Der verantwortungsbewusste Pfleger trennt die jungen Täuber und gesellt ihnen neue blutsfremde Tauben zu.

Wie bei vielen zur Aggession neigenden Vögeln, kann eine zeitweise hohe Individuumdichte eine "friedliche" Schwarmhaltung führen.
Hier sollte man bedenken, das einzelne Täubchen hochgradig aggressiv sein können und es nur dem Umstand geschuldet ist, dass der einzelne Täuber sich nicht auf einen bestimmten Rivalen konzentrieren kann. Kommt es zu ernsthaften Verletzungen (blutende Wunden) sind die Aggressoren aus der Gemeinschaft zu entfernen.

 
 



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Update 21. Juli 2019


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